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Islam in Deutschland
11. -13. Juni 2001 in Trier an der Katholischen Akademie
Unter diesem Titel fand vom 11.bis zum 13. Juni 2001 in Trier an der Katholischen Akademie eine Studientagung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung statt.
Unter den 70 Teilnehmern war festzustellen, daß dieses Thema nicht nur für Angehörige sozialer und beratender Berufe Interesse fand, sondern auch Mitglieder des Polizeidienstes in großer Anzahl
vertreten waren.
Am ersten Tag fanden überwiegend einführende Vorträge statt. Dr. Munir
D. Ahmed vom Deutschen Orient-Institut aus Hamburg referierte zunächst über "Der Islam - Mehr als eine Religion", um den Teilnehmern zu vermitteln, in wie vielfältiger Weise der Islam das tägliche Leben der Muslime bestimmt, unabhängig davon , wo sie sich aufhalten. Nach der Darstellung der Grundprinzipien der islamischen Glaubenslehre und ihrer Bedeutung im Alltag ging er auch auf einzelne Probleme im Leben der Muslime in der Diaspora ein.
Sein zweiter Vortrag beschäftigte sich unter dem Titel: "Sunniten, Schiiten,... - Strömungen im Islam" mit der Beschreibung der verschiedenen islamischen Gruppierungen, ihrer Herkunft und
Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der in Deutschland vertretenen Richtungen.
Am Abend trug Wolf D. Aries "Zur gesellschaftspolitischen Situation der islamischen Minderheit in Deutschland" eine Zusammenfassung über den Stand und die Hintergründe der derzeitigen
Situation der Muslime in Deutschland vor.
Alle drei Beiträge stießen auf lebhaftes Interesse; in den anschließenden Diskussionen war recht gut zu beobachten, wo
- auch immer unter dem Einfluß der Berichterstattung der Medien - die weniger vorinformierten Teilnehmer die Probleme im Umgang mit der muslimischen Bevölkerung sehen. Insofern dienten sowohl die Vorträge als auch die anschließenden Diskussionen sehr gut dem Zweck, einerseits Grundwissen zu vermitteln, andererseits auch einige weitverbreitete Vorurteile durch die Darstellung der Grundlagen und der tatsächlichen Regelungen des Islam zu berichtigen.
Am folgenden Tag stand der Vormittag unter dem Thema "Islam im deutschen Recht". Professor Dr. Jandbernd Oebbecke von der Juristischen Fakultät der Universität Münster hielt eine Reihe von
Kurzvorträgen zu den Themen Bau von Moscheen, Die Schlachtpraxis Schächten, die Kopftuchfrage und Islamischer Religionsunterricht. Von dem Ansatz ausgehend, daß es nur den Muslimen selbst zukomme, zu definieren, was
Islam ist, stellte er für jedes Rechtsgebiet dar, inwieweit die Verwirklichung und Durchsetzung muslimischer Vorstellungen im deutschen Recht denkbar und möglich wäre.
Im Baurecht sei es weniger eine Frage des geltenden Rechts - dies lasse den Bau von Moscheen bei Einhaltung der baurechtlichen Voraussetzungen selbstverständlich zu - als der Verhandlung mit den
sonstigen Beteiligten, um nicht den Bau an langwierigen Verfahren scheitern zu lassen.
Bei der Kopftuchfrage ging Prof. Oebbecke davon aus, daß im öffentlichen Dienst das Tragen eines solchen nur untersagt werden könne, wenn dienstrechtlich eine Bekleidungsvorschrift existiere, die dies
vorsehe. Insofern sei ein Rückgriff auf Verfassungsrecht zur Beurteilung dieser Frage nicht erforderlich. Im privaten Bereich sei bei der derzeitigen Rechtslage eine Einstellung einer kopftuchtragenden Frau nicht
durchsetzbar, was sich eventuell nach Erlaß eines Gesetzes, das die Anti-Diskriminierungs-Richtlinie der EU umsetze, ändern könne. Eine Entlassung mit dieser Begründung dürfte jedoch bereits heute nicht zulässig
sein.
Zur Frage des Islamischen Religionsunterrichts stellte er dar, daß dies ein Anspruch sei, der den Muslimen selbstverständlich zustünde; die Frage sei mehr die der Organisation, um eine möglichst breite
Basis zu haben. Jedoch könne nicht von den Muslimen - anders als von anderen Religionen - verlangt werden, daß man sich auf eine einzige Form einige, so sei die Forderung, auch Aleviten und Ahmadiya in den
gewünschten islamischen Unterricht miteinzubeziehen, eher ein Vorwand zur Verhinderung, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, daß bereits für sehr viel kleinere Gruppen christlicher Bekenntnisse
Religionsunterricht separat angeboten werde, ohne diese auf den bereits vorhandenen evangelischen oder katholischen Unterricht zu verweisen.
Abgerundet wurde diese Tag dann durch die Besichtigung von zwei Moscheen im nahegelegenen Wittlich.
Am dritten Tag fand am Vormittag noch eine Diskussion mit verschiedenen Referenten statt, u.a. Dr. Nadeem Elyas, DDR.J Georg Schütz von der Deutschen Bischofskonferenz, dem Beauftragten für christlich
islamische Begegnung der evangelischen Kirchen Im Rheinland, Pfarrer Holger Nollmann, Fatima Attarbaschi vom Islamischen Zentrum Hamburg, Bülent Arslan, dem Vorsitzenden des Deutsch-Türkischen Forums NRW, Wolf D.
Aries und MdB Peter Altmaier. Sie diskutierten mit den Teilnehmern unter dem Titel Islam in Deutschland - Wege der Integration.
Susanne Döring-Acikgöz
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