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Laudatio zu Ehren Dr. Murad Wilfried Hofmann
Preisträger des
Prof. Abdoldjavad Falaturi- Friedenspreis für Dialog, Toleranz und Völkerverständigung 2002
Die im Jahre 1995 auf Initiative der Muslim Studenten Vereinigung in Deutschland e.V. gegründete Gesellschaft Muslimischer Sozial- und Geisteswissenschaftler hatte ein besonders prominentes
Gründungsmitglied Prof. Dr. Abdoldjavad Falaturi.
Die Ehre ihn in den letzten Jahren seines Schaffens kennengelernt haben zu dürfen, ja ihn einige wenige
Schritte auf seinem Weg begleitet haben zu können, empfinde ich als eine große Gnade meines Schöpfers.
Ohne Zweifel war er ein herausragender Gelehrter der schiitischen Rechtsschule, aber immer auch einer der die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund gestellt hat, nie die Unterschiede.
Sein Bemühen um den muslimischen wissenschaftlichen Nachwuchs war aus der tiefen Besorgnis über die
vorgefundenen Unzulänglichkeiten motiviert. Die bewusst gelebte Religiosität war ebenso prägend wie das nachhaltige Bemühen um das Brückenschlagen zu der Mehrheitsgesellschaft, die in ihm immer einen
kompetenten und seriösen Gesprächspartner vorgefunden hat.
Prof. Falaturi hat in mehr als 20-jähriger Lehrzeit an der Universität zu Köln den Lehrstuhl
Islamwissenschaften entscheidend geprägt und war bis heute einer der ganz wenigen praktizierenden muslimischen Professoren im deutschen Lehrbetrieb. Er hat dann die “Islamisch-Wissenschaftliche
Akademie” aufgebaut, die sich einen Weltruf erarbeitet hat, spätestens seit der Schulbuchanalyse im Jahre
1986, an der 70 Wissenschaftler sich mit der Darstellung des Islams in den Schulbüchern und Curricula der Bundesrepublik Deutschland auseinandergesetzt hat und eine hervorragende und bis heute unübertroffene
Pionierarbeit auf diesem Feld vollzogen hat.
Die Gesellschaft Muslimischer Sozial- und Geisteswissenschaftler hat sich zum Ziel gesetzt heute fünf Jahre
nach dem Tod von Prof. Falaturi diese hervorstechende und herausragende Persönlichkeit zu ehren mit einem Preis, der für das steht, wofür er sich zeit seines Lebens und nun auch nach seinem Tode immer
eingesetzt hat: Frieden, Dialog, Toleranz und Völkerverständigung.
Der erste Preisträger ist ein Mann, der nicht erst seit seinem Übertritt zum Islam, im Jahre 1980 in der
Tradition Prof. Falaturis gewirkt hat. Bruder Murad Hofmann, zwischen Istanbul und Aschaffenburg pendelnd, ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die sich intensiv um das friedliche Zusammenleben der
Muslime mit den Nichtmuslimen verdient gemacht hat und der in Wort und Tat vorbildlich darum bemüht war eine europäische islamische Identität mitzuentwickeln und den Muslimen zu verhelfen einen dauerhaften
Platz in Europa zu finden.
In seiner persönlichen beruflichen Laufbahn als Diplomat im Auswärtigen Amt, als Informationsdirektor der
NATO und als Deutscher Botschafter u.a. in Algier und Rabat hat er nie einen Hehl aus seiner religiösen Zugehörigkeit gemacht und somit vielen, insbesondere auch jungen Menschen als Vorbild gedient. Sein
unermüdlicher Einsatz für den Frieden, den Dialog, Toleranz und Völkerverständigung lässt ihm kaum freie Zeit zur Erholung finden.
Dr. Murad W. Hofmann hat insbesondere auch durch seine intensive publizistische Tätigkeit dazu
beigetragen, dass Islambild im Westen etwas zu korrigieren und auch den innerislamischen Dialog gefördert. Seine Werke wie das “Tagebuch eines deutschen Muslims” bereits 1985 erschienen wurden nicht nur in die
englische und französische Sprache übersetzt, sondern auch noch ins Arabische, Russische und Malaiische. “Der Islam als Alternative”, “Ein philosophischer Weg zum Islam”, “Der Islam im dritten
Jahrtausend”, “Reise nach Mekka” und selbstverständlich seine vollständige Neubearbeitung der Übersetzung der Bedeutung des Koran von Max Henning sind nur eine Auswahl aus dem Werk Dr.
Hofmanns. Auch diese Bücher sind meist in englisch zum Teil auch in französisch und in anderen Sprachen verfügbar. Dr. Murad Hofmann ist ein exzellenter Vertreter des deutschen Islam und hat überall auf der Welt
Anerkennung und Respekt erfahren . Insbesondere haben unsere amerikanischen Freunde und Brüder und Schwestern ihn immer wieder gezwungen den großen Teich zu überfliegen, um auch dort Rede und Antwort
zu stehen und an der American Muslim Identity mitzuwirken.
Ob es um den Inhalt des Koffers der Heeresimame in der US Army geht, oder um die Teilnahme an einem MSV Seminar mit 30 Studenten oder eine Rede auf der ISNA Konferenz
vor 20 000 Zuhörern geht , Bruder Murad ist immer bemüht alles miteinander zu vereinbaren. Seine klare
Sprache und seine deutliche Botschaft macht ihn zu einer Bereicherung auf jeder Veranstaltung. Die GMSG hat in ihm immer ein verlässliches Mitglied und heute Vorsitzenden des Kuratoriums gefunden, der vor
Arbeit nie zurückgeschreckt ist.
Wir hoffen, dass dieser Preis sich zu einer Institution entwickelt und mithilft ausgezeichnete Leistungen in der Tradition Prof. Falaturis zu würdigen und zu fördern.
Dipl. Ibrahim El-Zayat
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