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Erste Schritte wagen - eine Orientierungshilfe für die Begegnung von
Kirchengemeinden mit ihren muslimisehen Nachbarn
Hrsg.: Beratungsstelle für christlich-islamische Begegnung der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche von Westfalen
Herbst 2001
Nach der Herausgabe der Handreichung der EKD ”Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland” folgt hier nun eine Schrift der beiden evangelischen Kirchenverbände von Rheinland und Westfalen, die
weniger theoretische Inhalte vermitteln, als Anregungen zum alltäglichen Zusammenleben geben will. Die Informationen sind zum Teil, auch wenn knapp gehalten, gut dargestellt, besonders schon ist es,
einmal auf einen Versuch der korrekten Beschreibung des Begriffes ,,Scharia” zu stoßen.
In jedem Kapitel wird dabei durchaus darauf eingegangen, weiche Informationen zu einem Thema vorhanden sein müssen, um die jeweilige Situation richtig einschätzen zu können und die
Voraussetzung für einen sinnvollen Dialog zu schaffen. Insbesondere der ”Begegnungsknigge” weist z.B. nicht nur darauf hin, dass beim Betreten einer von Muslimen bewohnten Wohnung die Schuhe
auszuziehen sind, sondern auch auf unterschiedliche Sitten bei der Begrüßung - dies nur zwei Beispiele aus einer interessanten Liste, die im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen auch Tips für die
Gelegenheit bietet, wenn Muslime bei Nicht-Muslimen zu Besuch sind. Dazu finden sich Fragen zum Nachdenken (besonders hübsch: wie wurden Sie empfinden, wenn Ihre Kirche in einem Hinterhof
untergebracht wäre?) und Anregungen für die Gestaltung gemeinsamer Veranstaltungen und geeigneten Diskussionsthemen.
Daneben findet sich viel Altbekanntes, leider auch ein paar typische Fehler, die sich sicher hätten
vermeiden lassen (z.B., dass das Fasten mit Sonnenaufgang beginne - statt, wie richtig, mit dem ersten Morgenlicht). Auch scheint die Vorstellung, dass der Islam einfach keine ,,Geistlichen” kennt, für die
Autoren nicht nachvollziehbar zu sein, so dass sie sowohl im Kapitel Krankenhaus meinen, die muslimischen Kranken wurden den Besuch eines muslimischen Geistlichen zu schätzen wissen, als auch
im Kapitel über Familie davon ausgeht, dass die Eheschließung vor einem Rechtsgelehrten oder Imam stattzufinden habe. Ebenso werden einige Dinge recht unreflektiert wiedergegeben, die zwar kulturell
bedingt sind, aber nicht in dieser Form dem Islam zuzurechnen sind - z.B. der Ehrbegriff, der, so wie hier beschrieben, auch eine Definition für andere Südeuropäische Länder darstellen könnte
und in seinen Auswirkungen oft eher unislamisch ist.
Bedauerlich ist auch, dass im zweiseitigen Literaturverzeichnis wieder fast ausschließlich Werke von
Nicht-Muslimen über den Islam und die Muslime angegeben werden, drei Koranübersetzungen sind angeführt, keine davon aus einem islamischen Verlag.
Die gesamte Aufmachung ist sehr liebevoll gestaltet worden, mit Photographien bebildert und mit
Vorschlägen für geeignete Musik - im Text befindet sich der Hinweis, dass viele Muslime nicht für Musikinstrumente in der Moschee sind, so dass es beim Gesang bleiben müsse, allerdings wird nicht
erwähnt, dass dies eigentlich dem Islam auch fremd ist und eher eine Neuerung darstellt.
Den beabsichtigten Zweck, die Gemeinden dazu zu ermutigen, auf ihre muslimischen Nachbarn zuzugehen um mit ihnen einen gemeinsamen Lebensraum zu gestalten, in dem Ängste schwinden und
Vertrauen wächst, wie es im Geleitwort heißt, kann dieses Heft sicher fördern. Von muslimischer Seite wäre es sicherlich als guter erster Schritt empfunden worden, bei der Erstellung zumindest insoweit
beteiligt zu werden, dass einerseits ständig aus den gleichen Quellen stammende Unrichtigkeiten hatten korrigiert werden können, andererseits durch Aufnahme auch von Muslimen verfasster Literatur
darstellen zu können, dass auch auf dieser Seite gelernt, geforscht und geschrieben wird. So bleibt, bei allen Aufrufen zum Respekt gegenüber den Muslimen im Text, immer noch der Objektcharakter fühlbar.
Susanne Döring
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