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BÜCHERBESPRECHUNGEN

Das Oxford-Lexikon der Welt-Religionen

John Bowker (Hrsg.)

 ISBN 3-491-72406-6, Patmos Verlag, Düsseldorf 1999, DM 129,-

 

Man berichtet aus dem goldenen Zeitalter der islamischen Wissenschaften, daß es Persönlichkeiten gab, die in der Lage waren, ganze Lexika auswendig zu lernen. Gäbe es heute eine Person mit solch einer Aufnahmekapazität, wäre das folgende Werk ideal um ein Kenner und Experte im Bereich der Religionen zu werden. Als ein Mammutwerk über Begriffe aus allen Religionen enthält, das ‘Oxford-Lexikon der Welt-Religionen’ etwa 8200 Eintragungen auf ca. 1150 Seiten in 2 Spalten bis hin zu Details allen Bereichen der Religion. Die Originalausgabe erschien 1996. Übersetzt ins Deutsche wurde das Lexikon von Karl-Heinz Golzio, Indologe und Religionswissenschaftler. Die deutsche Übersetzung ist Gegenstand unserer Rezension.

Der Herausgeber des Originals ist ein gewisser John Bowker, von 1984 bis 1991 Dekan des Trinity College in Cambridge der heute am Londoner Gresham Kollege sowie in North Caroline und Pennsylvania Theologie lehrt. Er ist Ehrenstsiftsherr der Kathedrale von Canterbury und Autor zahlreicher international renommierter Bücher.

Sinn des Wörterbuches ist es, eine Einführung in die verschiedenen Religionen zu bieten. Für die meisten Stichworte wird mehr als eine Definition der Begriffe gegeben, so daß der Leser die Rolle jenes Begriffes in der jeweiligen Religion auch erfassen kann. Am Ende der Begriffsdefinitionen werden die Leser auf ein bis zwei weiterführende Definition und Quellen verwiesen, die sich mit der Materie ausführlich beschäftigen. Aus Platzmangel hat man auf Abbildungen verzichtet, so dass vieles der bildlichen Phantasie des Lesers und weiterführenden Bildbänden überlassen wird. Dem eigentlichen Teil des Lexikons folgt ein zunächst nicht übersichtlicher, dafür aber ausführlicher Index, dessen Handhabung Erfahrung und Einarbeitung voraussetzt. An diesem Wörterbuch hat ein Team von verschiedenen Wissenschaftlern aus den Bereichen Religion und Religionsgeschichte mitgewirkt, die aber hauptsächlich aus England stammen oder dort leben, so daß das Lexikon sich überwiegend mit den Problemen der anglikanischen Welt beschäftigt.

Die Stichpunkte über den Islam wurden vorwiegend von Nicht-Muslimen bearbeitet, im Einzelnen von:

- Dr. Kenneth Crag, Anglikanischer Bischof in Jerusalem und u.a. Lehrbeauftragter an verschiedenen religionswissenschaftliche Fakultäten in England und USA.

- Zahid Hussein; ein ehemaliger Forschungsstudent an der University of Lancaster in England.

- Dr.Y Raef; Professor für Arabistik und Islamwissenschaft an der amerikanischen Universität   in Kairo

- Mr.P.J.Stewart; Lektor für Ökologie an der Oxford Universität in England.

Fast alle Begriffe, die irgendwie im islamischen Zusammenhang vorkommen, wurden sehr ausführlich behandelt: so z.B.:

 

    1. Begriffe aus eligiösen Leben und Praxis, die sowohl in Koran und Sunna vorkommen, als auch im Laufe der Zeit im praktischen Leben der muslimischen Völker entstanden sind, sowie einzelne islamisch wichtige historischen Ereignisse.

    2. Muslimische Persönlichkeiten; die bedeutendsten Gefährten des Gesandten Mohammed (saws), Rechtsgelehrte, berühmte Sufis, Herrscher und Könige.

    3. Die islamische Haltung und Sicht über Fragen aus dem religiösen als auch modernem Leben, wie z.B. Jenseits, einzelne Propheten aus islamischer Sicht, Abtreibung, Umwelt etc.

Wenn man sich die Ausführungen zu islamischen Themen näher betrachtet, so kann man trotz der täuschenden anfänglichen Objektivität der Darstellung der behandelten Punkte leicht feststellen, daß das Lexikon mit Vorsicht zu genießen ist. Übereinstimmungen zwischen islamischer und orientalistischer Perspektive lassen sich bei unzweideutigen Erläuterungen aus Koran und Sunna finden. Diese neutrale Haltung wird auch in den Punkten über die einzelnen historischen Persönlichkeiten beibehalten. Man merkt jedoch, dass verschiedene Personen mit unterschiedlichen Standpunkten das Lexikon bearbeitet haben. Obwohl die Stichworte nicht durchweg namentlich gekennzeichnet sind, wäre es ohne viel Mühe möglich,  diese den einzelnen Autoren zuzuordnen.

Fehler unterlaufen den Autoren im Detail: Demnach ist ein am Gihad beteiligte Person Mugtahid (S.350 Stichpunkt: Gihad) und Hasan Al-Banna ist ein Gründer der Sufi-Bewegung (S. 115 Stichpunkt al-Banna’). Die Frage, ob diese Fehler durch die Übersetzung bedingt sind oder schon im Original auftauchen, kann nicht beantwortet werden, da das englische Original nicht zur Verfügung stand. Es besteht auch eine Tendenz, Traditionen muslimischer Völker mit dem Islam gleichzusetzen.

Es ist auch auf Grund der Wortwahl festzustellen, dass die Übersetzer sich im Bereich der islamwissenschaftlichen Termini auskennen. Es werden sogar Verse aus dem Koran mit gravierenden Fehlern (wie es beim Stichpunkt Gum’a Seite 370, Sure 62 Vers 9 geschieht) ins Deutsche übersetzt.

Verschiedenartige Religionen und religiöse Erscheinungen werden behandelt. Somit wird dem Leser ein interessanter Einblick in die Welt der Religionen gegeben. Trotz aller Mängel – die 10-20 % der Artikel – betreffen, ist das Oxford-Lexikon ein interessantes Buch und Nachschlagewerk für alle, die sich über Religionen informieren möchten. Auch diejenigen, die sich in der Dialogarbeit engagieren, können dieses Lexikon zu Rate ziehen, um Fehler beim Umgang mit anderen Religionen nach Möglichkeit zu vermeiden.

Sami Alphan (Islamwissenschaftler – Köln)

 

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