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Susanne Heine; Islam zwischen Selbstbild und Klischee; Verlag Böhlau, Köln und Wien1995, ISBN 3 412 09495 1
Die Kölner Schulbuchuntersuchung Abdoldjavad Falaturis hat
zahlreiche europäische Nachfolgerinnen gehabt, unter denen sich die österreichische besonders hervorhebt. Sie stand unter der Leitung der Wiener Professorin Susanne Heine, die ihre Ergebnisse in einem
Sammelband zwar schon 1995 vorlegte, der jedoch außerhalb der Fachwelt kaum zur Geltung kam. Dies mag u.a. daran gelegen haben, daß die Resultate sich nicht wesentlich von den deutschen
unterschieden und am spezifisch österreichischen Hintergrund kein besonderes Interesse bestand, obwohl kompetent und flüssig z.B. von Smail Balic dargestellt wurde.
Das Besondere an diesem Band “Islam zwischen Selbstbild und Klischee” sind denn auch die Beiträge, die Susanne Heine selber verfasste. Bereits in der
Einleitung fällt auf in welch präziser Weise sie die Probleme medialer Vermittlung anspricht, wenn sie etwa darauf hinweist, welche Wirkung die mediale Tendenz hat, stets das
Ungewöhnliche zum Thema zu machen. “Das Außergewöhnliche und negative erscheinen dann mit dem Islam identisch, wenn darüber hinaus keine Kenntnisse der Religion, Kultur und Geschichte des Islames bestehen.” (Seite 1)
Der Höhepunkt des Bandes ist das 58 Seiten umfassende Kapitel zu den “Kriterien der Untersuchung” (Seite 59-116). Hier demonstriert die Ordinaria mit welch leichter Hand die
methodischen Grundlagen einer dem Dialog verpflichtete Untersuchung dargestellt werden können. Dies geschieht so mustergültig, daß es in jedes Lehrbuch zum Dialog gehört. Es beginnt
mit der Methoden des Zitierens und Vergleichens, geht über zu den in einem Text verwandten Sprachformen wie der Orientierung an nüchternen Information oder einem als gültig betrachteten
Urteil, um schließlich die Frage der Inhalte zu diskutieren und den Gegensätzen zwischen einem Text und seiner Bebilderung. Letzterem entspricht die häufige Klage von Muslimen, daß einem
Artikel Photos beigegeben werden, die u.U. das Gegenteil zum Tenor desselben ausdrücken.
An zwei Vergleichen von Übersetzungen wird deutlich, wie mit schlechten oder tendenziösen Übersetzungen schlechtes Schulbücher entstehen können (Seite 83 ff).
In den Schulbüchern für Geschichte und Sozialkunde weist Susanne Heine unterschwellige Sichtweisen nach, die ebenso problematisch sind wie die diskret lancierten kritischen Positionen,
die sich eher einer atheistischen Aufklärung verpflichtet wissen.
Und so sollte jeder muslimische Student und jede Studentin diesen schmalen Band im Handapparat stehen haben, um bei Fragen an einen Text nachschlagen zu können. Der
interessierte Laie wird dankbar sein, weil er oder sie zum ersten Male eine lesbare Zusammenfassung der Analysemethoden mit leicht einsichtigen Beispielen zu Hand hat.
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