GMSG

AKTIVITÄTEN

KONFERENZEN

SEMINARE

JAHRES
TAGUNG 2001

JAHRES
TAGUNG 2002

JAHRES
TAGUNG 2003

FALATURI
PREISVERLEIHUNG

PUBLIKATIONEN

SCHRIFTENREIHE

NEWSLETTER

ARTIKEL

SELBST
DARSTELLUNG

MITGLIEDSCHAFT

SATZUNG

VORSTAND

KONGRESS
BERICHTE

REZENSIONEN

ZEITSCHRIFTEN

KONTAKT

LINKS

STELLENBORSE

AKTUELLES

BÜCHERSHOP

weitere Infos, Aktuelles, Beiträge

 

11. September und die Muslime               von Dr. Tariq Ramadan

Islam und Rassismus   von Yusuf Kuhn

Islam und Menschenrechte       von Dr. Murad Hofmann

Die Angst vor dem Islam                           von Dr. Murad Hofmann

Islam und Terror     von Dr. Murad Hofmann

Islamischer Religionsunterricht   von Marlies Wehner

Islam und die soziale Frage                         von Norbert Müller

Annemarie Schimmel ist verstorben

Sexualkunde und Muslime

Dürfen Lehrerinnen mit einem Kopftuch unterrichten

Internationale Konferenz

Muslim Education in Europe

27.-29. September 2002 in Bonn

WEITER

GESELLSCHAFT MUSLIMISCHER SOZIAL- UND GEISTESWISSENSCHAFTLER e.V.

Association of Muslim Social Scientists - Germany

 DARSTELLUNG| AKTIVITÄTEN| PUBLIKATIONEN| KONTAKT| MITGLIEDSCHAFT

BÜCHERBESPRECHUNGEN

KUHN. Elke (Hg.): Gott in vielen Namen feiern. Interreligiöse Schulfeiern mit christlichen und islamischen Schülerinnen und Schülern, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 1998

 

Interkulturelle Erziehung ist inzwischen in aller Munde und gehört - zumindest theoretisch - zum Grundkonzept von Kindergarten und Schule in unserer Einwanderungsgesellschaft. Dabei wird jedoch - überraschenderweise? - der Bereich der interreligiösen Begegnung meistens sträflich vernachlässigt, sei es aus einer grundsätzlichen Distanz der Engagierten zu religiösen Fragen heraus oder aber in Ermangelung konkreter Materialien für interreligiöse Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verschiedener Altersstufen. Eine Lücke schließt nun das vorliegende Buch, in dessen Mittelpunkt interreligiöse, d.h. christlich-islamische, Schulfeiern stehen. Die Herausgeberin war lange als Pastorin im Stadtkirchenverband Köln für den Arbeitsbereich christlich-islamischer Dialog zuständig und hat sich für die muslimische Seite bei vielen Veranstaltungen und Kontakten als kompetente und aufgeschlossene Gesprächspartnerin erwiesen.

Im Gegensatz zu bisherigen Beiträgen und Vorschlägen zu diesem Thema, zumeist aus christlicher Perspektive als Blick auf die anderen Religionen konzipiert, haben hier christliche und muslimische Kolleginnen/Lehrerinnen gemeinsam interreligiöse Feste organisiert und inhaltlich gestaltet. Für geeignete Texte und Gebete konnten die Autorinnen dabei nicht immer aus einem vorhandenen Fundus schöpfen, so wurden auch Lieder getextet, Melodien komponiert, Dialoge für kleine Stücke geschrieben etc. - also wurde ein kreativer neuer Weg gefunden, der pädagogisch und theologisch interessant und richtungsweisend ist.

Ein theoretischer Einführungsteil ist den Beschreibungen der Abläufe von Feiern vorangestellt: Zwei Gastbeiträge reflektieren das Leben von MuslimInnen in Deutschland (Imtisel Tatari und Aiman Mazyek) und veranschaulichen, wie sehr der Islam trotz kursierender Feindbilder und des überholten Images als “Gastarbeiterreligion” inzwischen zu einem festen Bestandteil dieser deutschen Gesellschaft geworden ist.

Die Herausgeberin stellt grundlegende Informationen zur Lage von MuslimInnen in Deutschland und zum interreligiösen Zusammenleben in unserer Gesellschaft zusammen, so z.B. über islamische Verbände, bisherige Dialog-Erfahrungen und gegenseitige Wahrnehmungen der jeweils anderen Religion.

Angesichts der Realität unserer Einwanderungsgesellschaft und der damit einhergehenden deutlichen Präsenz muslimischer SchülerInnen an unseren Schulen stellt sich die Frage, ob die fortgesetzte selbstverständliche christliche bzw. christlich-abendländisch geprägte Dominanz in Bezug auf den Schulalltag im allgemeinen oder bei besonderen symbolisch bedeutsamen Anlässen (z.B. Schulfeiern) noch zeitgemäß ist, ja überhaupt dem Erziehungsauftrag entspricht. Elke Kuhn begründet vor dem Hintergrund bisheriger Erfahrungen einerseits und theologischer Auseinandersetzungen über Grenze/Weite des interreligiösen Dialogs andererseits den neuen Weg der interreligiösen Begegnung im Kontext einer gemeinsamen religiösen Schulfeier als theologisch vertretbare Lösung. Ansatzpunkt sind bei der Durchführung zunächst die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam; aber auch fundamentale Unterschiede sollen nicht geleugnet werden.

“Diese Unterschiede und Gegensätze sollten nicht zugunsten einer möglichst großen ‘Schnittmenge’ gemeinsamer Überzeugungen ignoriert, sondern sowohl von Christ/inn/en als auch von Muslim/inn/en akzeptiert werden. Sie sind jedoch kein Grund, gemeinsame Feiern abzulehnen, da sie die genannten Gemeinsamkeiten nicht aufheben.” (S.41)

Als praktikablen Weg schlägt Elke Kuhn vor, “kritische” Fragen, Begriffe, Glaubensinhalte bereits in der Vorbereitung anzusprechen, um gemeinsam und konstruktiv Wege, Texte, liturgische Bausteine zu finden, mit denen beide Partner zufrieden sein können. Insofern will das Buch auch keine harmonisierende Schönfärberei betreiben, sondern mögliche Konflikte bewußtmachen und beispielhaft Wege zu ihrer Bewältigung vorstellen - wobei die im Einzelfall gefundenen liturgischen Lösungen nicht immer unumstritten sein dürften.

Der Praxisteil dokumentiert Feiern zu religiösen Festen (Erntedank, Martins-Zeit, Fest des Fastenbrechens), zu verschiedenen Anlässen während des Schuljahres (Verantwortung für die Schöpfung, Frieden kommt nicht von allein, Den Fremden Begegnen, Einander fremd und doch verwandt - Muslime und Christen), und zu Anfang und Ende von Schuljahr/Schulzeit (Einschulung, Schuljahresanfang in der Grundschule, Schul-Entlassfeiern Grundschule und Hauptschule), die für alle Schultypen und für alle Alterstufen verwertbar sind. Einerseits können vollständige Liturgien als Vorlage genutzt werden, andererseits stehen liturgische Bausteine für eigene Konzepte zur Verfügung, wobei auf geeignete liturgische Texte aus beiden Religionen zurückgegriffen werden kann.

Ein Informationsteil mit kommentierten Literaturangaben, nützlichen Adressen und Erläuterungen wichtiger Begriffe im Islam rundet diese praxisorientierte und längst überfällige Publikation ab.

                             Marlies Wehner

NEU GMSG 
BÜCHERSHOP