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KUHN. Elke (Hg.): Gott in vielen Namen feiern. Interreligiöse Schulfeiern mit christlichen und islamischen Schülerinnen und Schülern, Gütersloh: Gütersloher
Verlagshaus 1998
Interkulturelle Erziehung ist inzwischen in aller Munde und gehört - zumindest theoretisch - zum Grundkonzept von Kindergarten und Schule in unserer
Einwanderungsgesellschaft. Dabei wird jedoch - überraschenderweise? - der Bereich der interreligiösen Begegnung meistens sträflich vernachlässigt, sei es aus einer grundsätzlichen Distanz der
Engagierten zu religiösen Fragen heraus oder aber in Ermangelung konkreter Materialien für interreligiöse Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verschiedener Altersstufen. Eine Lücke schließt
nun das vorliegende Buch, in dessen Mittelpunkt interreligiöse, d.h. christlich-islamische, Schulfeiern stehen. Die Herausgeberin war lange als Pastorin im Stadtkirchenverband Köln für den
Arbeitsbereich christlich-islamischer Dialog zuständig und hat sich für die muslimische Seite bei vielen Veranstaltungen und Kontakten als kompetente und aufgeschlossene Gesprächspartnerin
erwiesen.
Im Gegensatz zu bisherigen Beiträgen und Vorschlägen zu diesem Thema, zumeist aus christlicher Perspektive als Blick auf die anderen Religionen konzipiert, haben hier
christliche und muslimische Kolleginnen/Lehrerinnen gemeinsam interreligiöse Feste organisiert und inhaltlich gestaltet. Für geeignete Texte und Gebete konnten die Autorinnen dabei nicht
immer aus einem vorhandenen Fundus schöpfen, so wurden auch Lieder getextet, Melodien komponiert, Dialoge für kleine Stücke geschrieben etc. - also wurde ein kreativer neuer Weg gefunden, der
pädagogisch und theologisch interessant und richtungsweisend ist.
Ein theoretischer Einführungsteil ist den Beschreibungen der Abläufe von Feiern vorangestellt: Zwei Gastbeiträge reflektieren das Leben von MuslimInnen in Deutschland (Imtisel
Tatari und Aiman Mazyek) und veranschaulichen, wie sehr der Islam trotz kursierender Feindbilder und des überholten Images als “Gastarbeiterreligion” inzwischen zu einem festen Bestandteil
dieser deutschen Gesellschaft geworden ist.
Die Herausgeberin stellt grundlegende Informationen zur Lage von MuslimInnen in Deutschland und zum interreligiösen Zusammenleben in unserer Gesellschaft zusammen,
so z.B. über islamische Verbände, bisherige Dialog-Erfahrungen und gegenseitige Wahrnehmungen der jeweils anderen Religion.
Angesichts der Realität unserer Einwanderungsgesellschaft und der damit einhergehenden deutlichen Präsenz muslimischer SchülerInnen an unseren Schulen stellt sich
die Frage, ob die fortgesetzte selbstverständliche christliche bzw. christlich-abendländisch geprägte Dominanz in Bezug auf den Schulalltag im allgemeinen oder bei besonderen symbolisch
bedeutsamen Anlässen (z.B. Schulfeiern) noch zeitgemäß ist, ja überhaupt dem Erziehungsauftrag entspricht. Elke Kuhn begründet vor dem Hintergrund bisheriger Erfahrungen einerseits und
theologischer Auseinandersetzungen über Grenze/Weite des interreligiösen Dialogs andererseits den neuen Weg der interreligiösen Begegnung im Kontext einer gemeinsamen religiösen Schulfeier
als theologisch vertretbare Lösung. Ansatzpunkt sind bei der Durchführung zunächst die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam; aber auch fundamentale Unterschiede sollen nicht geleugnet
werden.
“Diese Unterschiede und Gegensätze sollten nicht zugunsten einer möglichst großen ‘Schnittmenge’ gemeinsamer Überzeugungen ignoriert, sondern sowohl von
Christ/inn/en als auch von Muslim/inn/en akzeptiert werden. Sie sind jedoch kein Grund, gemeinsame Feiern abzulehnen, da sie die genannten Gemeinsamkeiten nicht aufheben.” (S.41)
Als praktikablen Weg schlägt Elke Kuhn vor, “kritische” Fragen, Begriffe, Glaubensinhalte bereits in der Vorbereitung anzusprechen, um gemeinsam und konstruktiv
Wege, Texte, liturgische Bausteine zu finden, mit denen beide Partner zufrieden sein können. Insofern will das Buch auch keine harmonisierende Schönfärberei betreiben, sondern mögliche
Konflikte bewußtmachen und beispielhaft Wege zu ihrer Bewältigung vorstellen - wobei die im Einzelfall gefundenen liturgischen Lösungen nicht immer unumstritten sein dürften.
Der Praxisteil dokumentiert Feiern zu religiösen Festen (Erntedank, Martins-Zeit, Fest des Fastenbrechens), zu verschiedenen Anlässen während des Schuljahres (Verantwortung für
die Schöpfung, Frieden kommt nicht von allein, Den Fremden Begegnen, Einander fremd und doch verwandt - Muslime und Christen), und zu Anfang und Ende von Schuljahr/Schulzeit (Einschulung,
Schuljahresanfang in der Grundschule, Schul-Entlassfeiern Grundschule und Hauptschule), die für alle Schultypen und für alle Alterstufen verwertbar sind. Einerseits können vollständige
Liturgien als Vorlage genutzt werden, andererseits stehen liturgische Bausteine für eigene Konzepte zur Verfügung, wobei auf geeignete liturgische Texte aus beiden Religionen zurückgegriffen
werden kann.
Ein Informationsteil mit kommentierten Literaturangaben, nützlichen Adressen und Erläuterungen wichtiger Begriffe im Islam rundet diese praxisorientierte und längst
überfällige Publikation ab.
Marlies Wehner
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