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Martin Bauschke; Jesus im Koran; Köln; Böhlau, 2001, Seiten 152; ISBN 3-412-09501-X
In der Menge der heute auf den Markt geworfenen Bücher zum und über
den Islam, die im wissenschaftlichen Kontext zu rezensieren sich von selbst verbietet, gibt es immer wieder einzelne Arbeiten, die den ernsthaften Dialog zwischen Christen und Muslimen befördern. Hierzu
zählt die Arbeit des zum Küngschen Kreis zählenden Martin Bauschke, in der er dem Jesusbild im Koran gemäß der christlichen Theologie nachgeht. So ist etwa dem Kreuz ein Kapitel gewidmet wurde, das nun
kein islamisches Thema ist.
Das Ergebnis seiner Untersuchungen endet mit der Aussage: “Ich bin der Ansicht: die christ-liche Theologie kommt auf Dauer nicht umhin, das Jesusbild des Koranes als einen
Sonderfall externer Christologie....zu akzeptieren.”
Der Weg bis zu diesem Satz ist trotz der Schmalheit des Bandes lang. Und er beginnt ihn mit der Warnung vor “christlichen Obertönen” oder “christianisierenden Übersetzungen”
der arabo-islamischen Literatur bzw. des Koranes selber. Die Option ein koranisches Wort im Sinne christlicher Theologie zu verstehen mag sich allein schon dadurch anbieten,
daß die arabischen Christen die gleiche Sprache sprechen. Aber beide Seiten verstehen beispielsweise unter dem Begriff des Messias etwas Anderes. Ganz im Sine dieses Gestus
spricht Martin Bauschke in der gesamten Arbeit nicht von Mohammeds Haltungen oder Äußerungen, sondern schriebt, was der Koran aussagt. So schildert er muslimischen
Diskurse um Jesus und stellte sie den Auseinandersetzungen im christlichen Raum gegenüber. Dies ist für Muslime nicht nur neu, sondern zudem anregend, denn auf diese
Weise wird die manches Mal fremd wirkende kirchliche Haltung verständlich. Der Koran und nicht Mohammed antwortet auf die Fragestellungen seiner Zeit, wobei für den Muslim
gleichzeitig grundsätzliche Gefähr-dungen des christologischen Denkens sichtbar werden. Dies wird vom Autoren im Abschnitt über die jesuanischen Wundertaten deutlich herausgearbeitet.
Jesus nimmt für Muslime zwar eine besondere Stellung ein, aber er ist und bleibt ein Prophet; ein Prophet wie es Mohammed eben auch war. Daher handelt der koranische
Jesus stets mit der Zustimmung Gottes, während die Christologie den Taten und Worten einen Ewigkeitscha-rakter beimißt. Der Diskurs bleibt von muslimischer Warte aus
merkwürdig offen, weil Martin Bauschke an keiner Stelle seiner Überlegungen auf den Aspekt Gott und Prophetie eingeht, wodurch der für Muslime entscheidende Begriff des Tauhid nicht in den Blick kommt.
An einer Stelle mißversteht Martin Bauschke die Muslime wirklich. Es geht dort um den koranischen Begriff des Buches, dessen Oralität er offenbar nicht versteht oder kennt, was
der Umstand andeutet, daß in dem umfangreichen Literaturverzeichnis die Arbeit Navid Kermanis “Gott ist schön – das aesthetische Erleben des Koranes” fehlt.
Ärgerlich an dem Buche ist, daß es wie manche heute erscheinenden Werke kein Stichwort-verzeichnis enthält. Die Verlage scheinen an dieser Stelle schlicht die Kosten
einzusparen, wodurch der Leser gezwungen wird, sich selbst zu helfen. Nichtstdestotrotz, Martin Böhlaus Arbeit “Jesus im Koran” ist ein mit Gewinn zu lesendes Buch.
Wolf D. Ahmed Aries
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